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STREETWEAR · THE FULL STORY

PALACE
SKATEBOARDS

17.Juli 2025 · GUIDE TO HYPE · BRAND STORY

Palace ist kein Hype-Label. Palace ist eine Haltung. Eine, die aus dreckigen Skateparks, kaputten WGs und britischem Galgenhumor entstanden ist – und trotzdem bei Gucci gelandet ist. Nicht weil sie es wollten. Sondern weil sie nie so taten als ob.

London, 2009. Kein Plan. Aber eine Crew.

Lev Tanju gründet Palace Skateboards ohne Businessplan, ohne Investoren, ohne Strategie. Nur mit einer Crew – den Palace Wayward Boys Choir – und dem Southbank als Wohnzimmer. Der Southbank Undercroft: einer der ältesten und bekanntesten Skatespots Londons, seit Jahrzehnten Treffpunkt, Bühne, Zuhause für alle, die lieber skaten als Karriere machen.

Der Name „Palace“ war ein Witz. Die heruntergekommene WG, in der die Crew abhing, wurde ironisch als Palast bezeichnet. Dieser Humor – selbstbewusst, ehrlich, nie verbissen – steckt bis heute in jeder Kollektion, jedem Clip, jedem Drop.

Palace Skateboards Editorial

Bildquelle: Palace | Gore-Tex

Das Tri-Ferg-Logo – designed von Fergus „Fergadelic“ Purcell – wurde zum Szenecode. Ein Dreieck, drei Flächen, unendlich reproduzierbar. Minimalistisch. Hypnotisch. Sofort erkennbar. Wer es trägt, weiß Bescheid – und wer nicht weiß worum es geht, ist vielleicht auch nicht die Zielgruppe.

Randnotiz: Das Tri-Ferg basiert auf dem Penrose-Dreieck – einer optischen Illusion, die unmöglich wirkt, aber trotzdem existiert. Passt eigentlich perfekt zu Palace.
Humor ist die Waffe.

Andere Brands bauen Hype mit Hochglanz-Kampagnen, bezahlten Celebrities und durchgeplanten Rollouts. Palace macht verwackelte Videos. Dreht absurde Spots in Hinterhöfen. Lässt britische Voiceovers über den seltsamsten Content drüberlaufen. Einmal war der komplette Drop-Teaser ein Clip von jemandem, der eine Zwiebel isst. Kein Kontext. Kein Kommentar.

Die Botschaft dahinter ist messerscharf: Wir kennen die Codes – und nehmen sie nicht ernst. Und genau das macht sie so ernst zu nehmen. Anti-Perfektion als Qualitätsmerkmal. Chaos als Ästhetik. Echtheit statt Hochglanz.

Vom Skatepark zu Gucci.

Die ersten Kollabos kamen früh und passten zur DNA: Umbro für den britischen Sportswear-Charme, Reebok für die Sneaker-Roots, regelmäßig Adidas für alles dazwischen. Jede Zusammenarbeit wirkte organisch – nie wie ein Brand-Deal, immer wie ein gemeinsames Projekt unter Gleichgesinnten.

Aber 2018 passierte etwas, das niemand kommen sah: Palace × Gucci. Britischer Chaos-Charme trifft Florentiner Luxus-Exzess. Tri-Ferg auf Monogram-Canvas. Skate-Humor in der Haute-Couture-Welt. Ausverkauft in Stunden. Kulturell relevant bis heute. Der Moment, in dem klar wurde: Palace spielt in keiner Liga außer der eigenen.

Palace x Gucci Kampagne

Bildquelle: Palace | Gucci

Randnotiz: Die Palace × Gucci Kollektion war so schnell ausverkauft, dass viele Resale-Preise innerhalb von 24 Stunden das Dreifache des Retail erreichten. Nicht weil jeder den Luxus wollte – sondern weil jeder den Witz verstand.
VHS-Körnigkeit als Ästhetik.

Palace Lookbooks sehen aus wie gefundene Footage aus einer Clubnacht 1997. Überbelichtet. Körnig. Roh. Kein Retuschieren, kein perfektes Licht, keine cleanen Studio-Shots. Britpop, Rave-Poster, Lo-Fi-VHS – alles fließt zusammen zu einer Ästhetik, die man sofort erkennt, auch ohne Logo.

Diese visuelle Sprache ist kein Zufall. Sie ist Programm. In einer Zeit, in der jede Brand auf 4K-Hochglanz setzt, wirkt die körnige Palace-Ästhetik wie ein Statement: Realness über Perfektion. Immer.

Palace Editorial Portrait

Bildquelle: Palace

Die Kollektionen: Was Palace wirklich macht.

Seasonal Drops, aber ohne den üblichen Fashion-Week-Zirkus. Palace zeigt keine Runway-Shows. Keine Influencer-Previews. Keine langen Teaser-Kampagnen. Stattdessen: kurze, absurde Promo-Clips, ein Datum, eine Uhrzeit – und dann ist alles weg. Das Produkt muss für sich sprechen. Und es tut es.

Technisch sind die Stücke solide: gute Baumwolle, saubere Schnitte, funktionale Designs mit Skate-Tauglichkeit im Hinterkopf. Keine Fast-Fashion-Energie, aber auch kein aufgeblasener Luxus-Anspruch. Das Sweet Spot zwischen Streetwear und Premium – ohne es je explizit zu behaupten.

Side Notes.
Palasonic (2017) – abendfüllender Skatefilm. Kult seit Tag eins. Kein Blockbuster-Budget, aber mehr Seele als die meisten Produktionen mit zehnfachem Etat.

Grime-Connection – Skepta, Stormzy, JME trugen Palace, bevor es jeder kannte. Die Verbindung zwischen Skate-Kultur und Grime war in London nie ein Widerspruch – sie lebten im selben Stadtbild.

Palace × Evisu – Y2K-Denim-Codes, neu interpretiert. Selvedge Denim trifft Tri-Ferg. Einer der unterschätztesten Drops der letzten Jahre.

Surfen als nächstes Kapitel? – Palace hat sich zuletzt auch in Richtung Surf-Kultur bewegt. Gleiche Energie, anderes Wasser.
Global. Aber immer noch Szene.

London. New York. Tokio. Los Angeles. Palace hat Stores auf vier Kontinenten – und trotzdem fühlt sich jeder Drop an wie ein Insider-Gag unter Freunden. Kein Massenmarkt-Feeling, kein Corporate-Energy. Community-Theater mit Weltbühne.

Wie das funktioniert? Weil Lev Tanju nie aufgehört hat, die Marke wie eine Crew zu führen. Keine Investoren, die Quartalszahlen fordern. Keine Marketing-Abteilung, die Brand-Guidelines durchsetzt. Palace bleibt Palace, weil die Leute dahinter Palace leben – nicht managen.

Fazit.

Supreme ist das New-York-Manifest. Hardcore, direkt, keine Ironie. Palace ist die britische Antwort darauf: Weniger Manifest, mehr Witz. Weniger Pose, mehr Haltung. Eine Marke, die groß geworden ist, ohne je so zu tun, als wäre ihr das wichtig.

Und das ist vielleicht das Britischste daran. Nie zugeben, dass man es ernst meint. Aber es trotzdem besser machen als alle anderen.

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